BUCHPRÄSENTATION

Angelika-Benedicta Hirsch

SLOW FOOT Von München nach Venedig

Reiseliteratur, 53 S/W-Fotos von Lothar Köster, 215 Seiten

10. 10. 2008 VVPN 00001010  

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Autor-Info:

Dr, Angelika B. Hirsch, Berlin hirsch@grenzgaenge.de

 

Zusammenfassung

Leseprobe

ZUM INHALT

Dr. Angelika B. Hirsch ist Beraterin und bietet u.a. auch Therapeutisches Wandern an.

Sie ist den Weg von München nach Venedig in seiner Gänze gewandert, ohne Verkürzungen oder Unterbrechungen. Sie berichtet in lebendiger und tiefgründiger Weise über ihre Eindrücke, Erlebnisse und Begegnungen.

LESEPROBE

München - Venedig

Der Zug fährt durch Sonnenblumenfelder. Schwere, blühende Sonnenblumen, so weit das Auge reicht. Ein Anblick, von dem ich mich gar nicht lösen kann. Trotzdem werde ich plötzlich von Unruhe gepackt. Ich hole meinen Rucksack aus der Gepäckablage, öffne ihn und erstarre - er ist voller zusammengerollter Socken. Nichts als Socken. Keine Hosen, Pullover, Jacken, kein Geld, keine Versicherungskarte, kein Proviant, nur Socken. - Schweißgebadet wache ich auf. Gott sei Dank, nur ein Traum. Zentnerschwer ist der Stein, der von meinem Herzen poltert, eigentlich sollte er das ganze Haus aufwecken. Aber sogar Lothar neben mir schläft selig schnorchelnd weiter und ahnt nichts von meiner eben durchstandenen Panik. Da ist sie mal wieder: die Angst vor der eigenen Courage. In der Nacht gewinnt sie Oberhand. Ich kenne das. So ist es mir schon immer vor größeren Abenteuerreisen gegangen: einige Wochen, bevor es losgeht, ergreift mich eine wilde Mischung aus Verwegenheit und Angst. Die Nacht gehört den Albträumen.

Am Tag dominiert die Vorfreude. Jetzt ist es die Vorfreude auf sechs Wochen Ausszeit, die Vorfreude auf das Abenteuer, zu Fuß die Alpen zu überqueren. Immer wieder, wenn wir in den Alpen unterwegs waren, haben wir davon gesprochen, dass wir einmal in unserem Leben den Weg von München nach Venedig gehen wollen, einmal die Alpen überqueren. Wir waren schon öfter zur Kunst-Biennale da, immer haben wir davon geredet, wie verrückt es sein müsste, mal zu Fuß aus diesem Anlass nach Venedig zu gehen. Spinnerei! Woher so viel Urlaub auf einmal nehmen? Und was das wohl kostet! Utopisch, dachten wir jahrelang. Dann, mit einem Mal ist es soweit, wenn nicht jetzt, dann nie. Lothar als Freiberufler kann sich sechs Wochen frei schaufeln. Bei mir in der Beratungsstelle geht gerade alles drunter und drüber, da kommt es auch nicht mehr darauf an, wenn ich ungewöhnlich viel Urlaub auf einmal nehme. Ich brauche die Zeit, um einmal aus allem rauszukommen, mich neu zu sortieren, ich will die Zeit.

Eine Woche vor Beginn der Reise fällt in einer Vorstandssitzung plötzlich der Begriff "Urlaubssperre". Ich stelle mich taub. Ein Kollege springt in die Bresche und erklärt, dass das nicht nötig sei. Die Diskussion wird fallengelassen, ich bin heilfroh. In der folgenden Nacht denke ich dann aber: Vielleicht wäre ich auf diese Art elegant um unser Abenteuer herumgekommen, hätte die Suppe nicht auslöffeln müssen, die ich mir da eingebrockt habe, als ich aller Welt begeistert erzählte, dass wir zu Fuß über die Alpen wollen. Hätte sagen können: "Leider, ich würde ja so gerne, aber ich darf nicht, böser Arbeitgeber..." - und wäre klammheimlich erleichtert gewesen, nicht beim Wort genommen zu werden. Aber wäre ich das wirklich?

So geht es hin und her zwischen Tag und Nacht. Ich weiß aus Erfahrung, dass dieser Zustand mit Beginn der Reise schlagartig beendet sein wird. Bis dahin muss ich durchhalten und das Beste hoffen. Ich habe es so gewollt. Ich will es so. Ich kann an gar nichts anderes mehr denken. Ich denke an nichts anderes mehr. Wie es sein wird male ich mir aus, die Anstrengung jeden Tag, die Höhenmeter, das Rucksackgewicht... Wird das Wetter mitspielen? Kann ich das Gepäck noch reduzieren? Wie viel kann und will ich tragen? Was brauche ich wirklich? Wie verlässlich sind die beiden Wanderführer? Für welchen entscheiden wir uns? Den Klassiker von Ludwig Graßler oder den von den Lamsbachs? Graßler startet gleich mit 30-km-Etappen, die Lambsbachs sind da freundlicher. Oder nehmen wir beide mit? Was ist mit den Klettersteigen? Kann ich das, trau ich mir das zu? Geld, Medikamente, eiserne Rationen? Sind die neuen Bergstiefel gut genug eingelaufen? Wem kann man zu Hause über Wochen die Wohnung und das Blumengießen zumuten? Wie wird es sein, wenn alles schiefgeht und wir leise weinend ein paar Tage nach dem großen Aufbruch wieder in Berlin sind? Nein, es geht nicht schief, irgendwie hat immer alles geklappt, auch wenn am Ende etwas ganz anderes herausgekommen ist, als wir am Anfang geplant hatten. Aber so etwas Großes?

Dann der Durchbruch: Es geht los! Egal, was geschehen wird, es geht endlich los!

 

 


Alle, die sich für die Ost-Umgehung des Schiara-Klettersteigs interessieren, also die Variante ohne Busfahrt, finden in dem folgenden Bericht eine genaue Schilderung des Weges.
Bericht zur Ostumgehung der Schiara [PDF]


 

 

 

 

 

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